Madonna Benois

49,6 x 31,5 cm, Öl auf Holz, auf Leinwand übertragen, 1478-1482, Eremitage, St.Petersburg
Madonna Benois

Die Madonna Benois ist ein Gemälde ohne Geschichte. Das Bild tauchte eines Tages wie aus dem Nichts auf, und zwar an einem Ort, an dem man es am wenigsten vermuten würde: Zu Beginn des 19. Jahrhunderts in Astrachan, mitten im Land der Tartaren. Dort zieht ein italienischer Wandermusiker es auf wundersame Weise aus seinem Gepäck, um es einem Herrn Sapojnikow zum Kauf anzubieten, ohne dass er über dessen Ursprung Auskunft gibt.
Die Enkelin Sapojnikows, die Witwe des russischen Malers Leon Benois (daher der Name des Gemäldes) überlässt es 1914 dem Museum der Eremitage im heutigen St. Petersburg, wo es sich seitdem befindet.

Leonardo ist zweifellos der erste Maler der Christenheit, der die Hauptgestalten aus der biblischen Geschichte nicht mit einem Heiligenschein versieht. Nicht einmal Jesus noch die Jungfrau erhalten einen, und dies bereits offensichtlich sehr früh in seiner Laufbahn. In Leonardos Gemälden, die noch in Verrocchios Werkstatt entstehen, gibt es Heiligenscheine. Sobald er seinen Meister verlässt, entfallen sie. Die Heiligenscheine in der Madonna Benois sind von fremder Hand hinzugefügt.
Leonardo entledigt die Madonna ihres Goldes, entfernt endgültig den Thron aus Marmor, die Säulen, die musizierenden Engel, alle Insignien der Majestät. Statt einer Krone zeigt er das, wodurch die Madonna eine Krönung verdient.
Von Lorenzo die Credi bis Raffael übernahm eine ganze Malergeneration diesen neuen Madonnenstil.



Christoph Enzinger - Christoph.Enzinger@gmx.at