Der Codex Atlanticus

1119 Blätter, (64,5 x 43,5 cm), (1480-1518), Biblioteca Ambrosiana, Mailand
Codex Atlanticus
Fol. 26 v / 7 v-a
Mit Leonardos Tod 1519 ging der gesamte Nachlass an Manuskripten an seinen treuen Schüler Francesco Melzi über, der dieses Vermächtnis sein Leben lang mit sorgfältiger Liebe bewahrte. Nicht so dessen Sohn Orazio, und schon bald wurde das wertvolle Material zum ersten Mal verstreut.
Pompeo Leoni, Bildhauer am spanischen Hof und bedeutender Kunstsammler, stellte einen großen Teil wieder zusammen, jedoch nach eher kommerziellen Gesichtspunkten und mit Schere und Leim, um den immensen Blätterhaufen mit auseinanderklaffenden Formaten in Codices zu organisieren.

Auf diese Weise enstand der sog. "Codice Atlantico" mit Schriften und Zeichnungen zu vielen Themen aus vielen Lebensjahren Leonardos. Seinen Namen erhielt der Codex wohl aufgrund seines Formates und Umfanges. Der Bestand von 1200 Blättern wurde von Leoni auf 400 reduziert. Nach der 1960 stattgefunden Restaurierung besteht der Codex Atlanticus heute aus 1119 Blättern.

Mit dem Ableben Leonis 1608 gelangte der Codex Atlanticus auf Umwegen in den Besitz des Grafen Arconati, der ihn 1636 der Ambrosianischen Bibliothek in Mailand zum Geschenk machte. Infolge eines napoleonischen Dekrets wurde er (gemeinsam mit den Manuskripten A-M) in die Nationalbibliothek in Paris transferiert.
Der Codex Atlanticus konnte erst 1814 infolge des Wiener Pakts an seinen angestammten Platz in der Ambrosiana zurückkehren.



Christoph Enzinger - Christoph.Enzinger@gmx.at