199 x 122 cm, Öl auf Holz, 1483-1486, Louvre, Paris |
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189,5 x 120 cm, Öl auf Holz, 1493-1508, National Gallery, London |

Die Felsgrottenmadonna des Louvre wurde im Dezember 1499 von Ludwig XII.
in Mailand bewundert und hierauf vom Gouverneur Charles
d'Amboise, der dem König damit einen Gefallen erweisen wollte, nach Frankreich
geschafft.
Auf den Mailänder Altar kam eine Replik (siehe rechts), die wieder Leonardo und
Giovanni Ambrogio de Predis (Evangelista de Predis starb 1490)
aufgetragen wurde, die aber fast allein letzterer
(mit Leonardos Einverständnis) vollendete.
Das Gemälde wurde
zum ersten Mal 1625 als Teil der königlichen Sammlungen in Fontainebleau erwähnt. |
Aufgrund der 1910 von Gerolamo Biscaro gefundenen
Dokumente wissen wir, dass sich Leonardo am 25. April 1483
gemeinsam mit den Brüdern Evangelista und Giovanni Ambrogio de Predis
durch einen Vertrag verpflichtete, bis
zum 8. Dezember des gleichen Jahres ein Gemälde für den Altar der Unbefleckten
Empfängnis in der Kirche San Francesco Grande in Mailand zu liefern.
Der Vertrag beschreibt zudem in vielen Details, wie das Bild auszusehen hat, sogar welche
Farben verwendet werden müssen.
Die Sorgen der Bruderschaft sind verständlich: sie verficht ein neues Dogma, jenes
der Unbefleckten Empfängnis, das damals leidenschaftlich diskutiert wird (das der Papst
zwar fünf Jahre zuvor angenommen hat, das aber erst 1496 von der Sorbonne gebilligt
und 1854 als Dogma proklamiert wird. - Das Dogma von der Unbefleckten Empfängnis
betrifft nicht die geheimnisvolle Geburt
Christi, sondern die wundersame Geburt Mariens: Die heilige Anna, die Mutter Mariens, soll
ihren Gatten Joachim nicht im Fleische erkannt haben, um ein Kind zu gebären - ein einfacher
Kuss soll ausgereicht haben. Dieses Dogma zielte darauf ab, die Heiligkeit der Jungfrau
zu betonen und daher die Wichtigkeit des Marienkults zu bestätigen.)
In den Augen der Bruderschaft hat sich ein Künstler nicht mit Theologie zu befassen.
Sie fordert die Illustration einer These so, wie heutzutage eine Werbeagentur einen Fotografen
beauftragt, ein bestimmtes Konzept in Bilder umzusetzen.
Leonardo hat sich in keinem Punkt an den Vertrag gehalten.
Sein Bild zeigt ohne Gold und Heiligenscheine die Madonna, die in ihrem Exil in Ägypten vor einer
Höhle sitzt, mit Jesus, der Johannes segnet, der wiederum mit gefaltenen Händen
kniet und auf den der Zeigefinger des Erzengels Uriel hinweist.
Trotz der vielen Eigenheiten des Bildes (etwa: Ein hl. Johannes in einem Gemälde zu Ehren
der Unbefleckten Empfängnis? Wo schaut der Engel hin?) macht Leonardo viele Zugeständnisse.
Die Vegetation, mit der er die Felsen schmückt - da die Begenung des hl. Johannes mit dem Jesuskind
in einer "blühenden Wüste" stattgefunden haben soll - entspricht beispielsweise der
traditionellen Symbolik. Der Efeu im Hintergrund steht für Treue und Kontinuität,
die Palme und die Iris im Vordergrund verweisen zugleich auf die Fleischwerdung
und den Frieden, die diese den Menschen verspricht. Die blutfarbene Anemone, in der Antike die Blume
der Traurigkeit und des Todes, nimmt die Kreuzigung vorweg.
Etwa 1490 begannen Leonardo und Ambrogio einen Rechtsstreit mit der Bruderschaft.
Die Künstler appellierten an ihren Herzog Ludovico Sforza und versuchten eine
höhere Bezahlung für ihre Arbeit zu erhalten, als in dem Vertrag vorgesehen war.
Sie hatten mit dieser Forderung keinen Erfolg.
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Die Felsgrottenmadonna in London verblieb in der Kirche
von San Francesco Grande in Mailand bis 1781, kam dann ins St. Katharina-Krankenhaus
in Mailand und wurde 1785 an den englischen Maler Gavin Hamilton verkauft. Es war in der
Sammlung des Marquis von Lansdown, dann des Earl of Suffolk. Seit 1880 befindet
sich das Gemälde in der National Gallery. |