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Dieses Porträt zeigt Cecilia Gallerani,
die langjährige Geliebte des Herzogs Ludovico Sforza.
Fürst Adam Czartoryski erwarb die Dame mit dem Hermelin während der
französischen Revolution. Das Gemälde kam zwischen 1830 und 1867 nach Frankreich
zurück, wurde im Hôtel Lambert in Paris, das Czartoryski gehörte,
aufgehängt und gelangte danach wieder nach Polen zurück.
Der Hermelin im Winterpelz ist ein Symbol der Reinheit.
Dieses Porträt ist ein bedeutender Wendepunkt in Leonardos Malerei, der in der überarbeiteten
Fassung des Porträt eines Musikers erstmals zu erahnen ist. Leonardo fasste den Menschen nicht
als eine nachzuahmende äußere Form auf, sondern begriff ihn als gleichsam sprechendes Individuum mit
einer spezifischen psychischen Konstitution. Auch bei diesem Porträt wird die Aufmerksamkeit
der Dargestellten von etwas nicht näher Bestimmten auf sich gezogen; sie hat sich umgewandt und blickt
über ihre Schulter, wobei das Hermelin auf ihrem Arm dem gleichen Impuls zu folgen scheint.
Der Betrachter wird durch das Verhalten der Frau angezogen, will selbst wissen, wem ihre Neugier gilt und damit ihren
Seelenzustand nach. Leonardo nutzte dabei ein Phänomen für die Malerei, das schon Aristoteles in seiner
Poetik benannt hatte: den angeborenen Hang zur Nachahmung.
In beiden Gattungen der Malerei, dem Porträt und dem Historienbild, ist nach Meinung Leonardos die
Beseelung der Figur entscheidend für die Glaubwürdigkeit des Dargestellten. Damit geht Leonardo weit über
die Forderung Albertis hinaus, der den handelnden Menschen nur im Zusammenhang mit dem Historienbild
vorgestellt hatte. "Wenn die Figuren nicht lebendige und derartige Gebärden machen, dass sie damit
in ihren Gliedern die Absichten der Seele ausdrücken, so sind sie doppelt tot. Erstens sind sie dies, weil die
Malerei ja an sich nicht wirklich lebendig ist, sondern, selbst leblos, lebendige Dinge nur ausdrückt.
Und verbindet sich also nicht die Lebendigkeit der Gebärde mit ihr, so ist sie zweimal tot"
notiert Leonardo.
Im Porträt der Cecilia Gallerani bindet der Künstler den Betrachter in eine Inszenierung ein, baut in ihm
eine Spannung auf, löst sie aber nicht. In seiner Neugier wird der Zuschauer immer wieder auf die Dargestellte
selbst verwiesen. Durch die in solch einer Vollendung vorgeführten Malerei werden nach Leonardos Worten
Liebende dazu gebracht, mit dem Bildnis des geliebten Wesens zu sprechen, als ob es lebendig wäre.
Das Gemälde ist zusammen mit dem Porträt der Ginevra Benci technisch untersucht worden. Der Nachweis von
Wischspuren einer Hand in beiden Werken bekräftigen die Zuschreibung an Leonardo. Während dieser Untersuchung kam man
zu dem Ergebnis, dass der schlichte Hintergrund der Dame mit dem Hermelin niemals ein Fenster zeigte, wie lange Zeit
vermutet worden war. [..]
Die Kleidermode der Dargestellten ist mit Isabella d'Aragon, die 1489 einen Sforza heiratete, in Mailand
eingeführt worden. Daher kann das Bild schwerlich vor 1490 entstanden sein. Weil Cecilia Gallerani
alten Quellen zufolge zu dieser Zeit bereits 25 Jahre alt gewesen wäre, wurde ihre Identifikation mit der abgebildeten
jungen Frau lange mit Vorbehalt betrachtet, obwohl das griechische Wort "galê" Hermelin bedeutet und mit
dem Pelztier auf dem Arm der Frau so eine bildsprachliche Verkörperung ihres Namens gelingt. Vor kurzem hat man anhand von
Archivfunden nachweisen können, dass die Lebensdaten der Gallerani falsch übertragen waren und sie im Jahre
1490 erst 17 Jahre alt gewesen ist.
("Leonardo da Vinci", Peter Hohenstatt, Könemann 1998, S.66f)
Der Hofdichter Bellincioni pries das Bildnis in einem Sonett, es sei so lebendig, dass die Dargestellte zu lauschen
scheine. ("minikunstführer Leonardo da Vinci", Elke Linda Buchholz, 1999, S.29)
Das Porträt ist bemerkenswert für die dynamische Rolle des Lichts, das die von der Schulter ausgehende
Rotationsbewegung akzentuiert. Leonardo entwickelte hier seine Tendenz zu spiralförmigen Strukturen
in der Bildkomposition. ("ArtBook Leonardo da Vinci", Francesca Debolini, 1998, S.64)
Die Beschriftung "La Bele Feroniere / Leonard d'awinci" (links oben) zeugt von der Mode der Damen der Lombardei des 15.
und Frankreichs des 16. Jahrhunderts, ein Stirnband zu tragen.
Auf diesem Bild sind die Spuren gnadenloser Retusche besonders auffällig: der Hintergrund wurde großflächig verdunkelt, das
ursprünglich durchsichtige Haarnetz wurde in derselben Farbe wie das Haar der Dame neu gemalt und erweckt dadurch den Eindruck,
das Haar reiche bis unters Kinn; retuschiert wurde ebenfalls die Kleidpartie unterhalb des Hermelins, und
dunkle Schatten fügte man zwischen die Finger der rechten Hand hinzu.
Die besagte Inschrift wurden im späten 18. Jahrhundert, jedoch vor 1800, in Frankreich hinzugefügt. Es handelt sich
um eine Verwechslung mit einem anderen Gemälde.
("Leonardo da Vinci. Leben und Werk", Patrice Boussel, 1989, S.87f)
Dagegen zeigen die Modellierung des Gesichts und besonders des Hermelins ohne Zweifel seine Hand;
nur Leonardo konnte die den Angelpunkt bildende Wendung des Kopfes gegen Schultern und Rumpf und vor allem die
schlangenähnliche Haltung des Tieres darstellen. Die Größe des Tieres und die Nähe seiner spitzen, bösartigen
Schnauze zum Halse der Dame sind beunruhigend; vielleicht wollte Leonardo die unsichere
Stellung der Favoriten des Hofes andeuten (die auch für ihn selbst galt).
("Leonardo da Vinci und seine Zeit", Robert Wallace, 1966) |