Der Heilige Hieronymus

103,2 x 75 cm, Öl und Bister auf Holz, um 1480, Musei Vaticani, Rom
Der Heilige Hieronymus Die Zuschreibung dieses Gemäldes an Leonardo ist unstrittig. Nie hat es an der Authentizität Zweifel gegeben. Es existiert bereits aus der Zeit um 1500 ein imitierender Holzschnitt eines römischen Künstlers.
Die Geschichte dieses unvollendeten Gemäldes ist geheimnisvoll und überraschend. Man weiß nicht, wo es herkommt, noch wer es in Auftrag gegeben hat.
Bis 1525 befand sich das Gemälde in Mailand, gelangte dann in die Vatikanischen Museen. 1788 wurde es von der schweizerischen Künstlerin Angelika Kaufmann erworben und befand sich bis zum ihrem Tod 1807 in ihrem Besitz.
Jedoch während eines Spaziergangs durch die Straßen Roms fällt Josef Kardinal Fesch, einem Onkel Napolens I., im Dunkeln eines Trödlerladens ein kleiner Schrank auf, dessen Tür ihm ganz ausserordentlich erscheint. Er nähert sich dem Möbel und erkennt ein Meisterwerk der Renaissance. Es ist der "Heilige Hieronymus", dessen Kopf man so abgeschnitten hatte, dass der Rest auf die Schranktür passte. Kardinal Fesch kauft das Gemälde und sucht monatelang im selben Viertel nach dem fehlenden Rest. Schließlich entdeckt er ihn 1820 bei einem Schuhmacher als Rückseite seiner Werkbank.
Papst Pius IX. (1846-87) erwarb das inzwischen vervollständigte und restaurierte Bild um 2500 Franken aus dem Nachlass des Kardinals und gab es wieder in die Sammlung der Vatikanischen Museen zurück.

Der heilige Hieronymus lebte in Rom, in Gallien, in der Wüste Chalcis in Syrien und zog sich dann nach Bethlehem zurück. Die Legende besagt, dass er die Freundschaft eines Löwen gewann, nachdem er diesem einen Dorn aus der Pranke entfernt hatte.
Leonardo malt ihn bis auf die Haut und Knochen abgemagert, sich mit einem Stein gegen die Brust schlagend. Die Anatomie der Körper zeigt deutlich, dass Kenntnisse des Knochenbaus und der Muskelbildung, die Leonardo durch das Sezieren von Leichen gewonnen hat, zugrunde liegen. Der Löwe ist zweifellos der erste realistische Löwe in der Geschichte der Malerei.


Christoph Enzinger - Christoph.Enzinger@gmx.at