Hl. Anna Selbdritt - Karton

(Burlington House Cartoon), 141,5 x 104,6 cm, schwarze Kreide, weiß gehöht, auf Papier, 1501-1508, National Gallery, London
Hl. Anna Selbdritt - Karton Die antiken, sitzenden Musenstatuen, die Leonardo während seiner Romreise 1501 bei der Hadriansvilla in Tivoli sah, hinterließen bei ihm einen tiefen Eindruck. Heute würde man sich eine Ansichtskarte kaufen, Leonardo zeichnete diesen Karton. Er setzte ihn jedoch nie in einem Gemälde um. Möglicherweise diente ihm dieser Karton nur zum Verinnerlichen des antiken Stils.
Bernardino Luini schuf jedoch in Anlehnung daran - indem er den hl Joseph einfügte - eine "Heilige Familie", die in der Pinacoteca Ambrosiana in Mailand aufbewahrt wird.
Leonardo schuf zum Sujet "Hl. Anna Selbdritt" später (1510) ein weiterentwickeltes Gemälde.

Es sind die heilige Maria, deren Mutter Anna, Jesus und der heilige Johannes dargestellt.

Bis 1721 befand sich die Zeichnung in der Sammlung der Familie Arconati, Mailand, dann war sie im Besitz der Familie Casnedi, die sie der Familie Sagredo, Venedig, überließ. 1763 verkaufte die Familie Sagredo das Bild an den in Venedig ansässigen Bruder des englischen Botschafters Robert Udny. Seit 1791 war es im Besitz der Royal Academy, die es 1966 an die National Gallery weitergab.

Diese Zeichnung ist in den achziger Jahren durch einen Zwischenfall fast zerstört worden. Das Werk war an einen Heizkörper gelehnt worden, sodass die Kreide am Bild herabfloss und die Umrisse nur noch schwach zu erkennen waren. Die National Gallery verpflichtete den Kunstfälscher Eric Hebborn als Restaurator. Zugleich hat dieser schwören müssen, darüber bis zu seinem Lebensende Stillschweigen zu bewahren.
Am 8. Jänner 1996 wurde Hebborn mit eingeschlagenem Schädel in einem öffentlichen Park in Rom gefunden. Einige Tage später starb der Kunstfälscher.


Christoph Enzinger - Christoph.Enzinger@gmx.at