Zwischenbilanz nach der zweiten Runde
Ohne größere Probleme gemeistert. Das Schieben ermöglichte ein Nachdenken während der nächsten Frage.
Wir haben noch gar nicht über Leonardo als Privatmensch gesprochen. Was war das für ein Typ? Hat er viel mit Frauen zu tun gehabt, hat er getrunken, gespielt?
Alles das nicht. Gleich damit angefangen: Mit Frauen hat er praktisch überhaupt nichts zu tun gehabt. Es gibt sogar viele, die behaupten, dass er homosexuell war. Das kann man aufgrund von Indizien schließen, z.B. dass er anatomische Zeichnungen von Frauen ziemlich ungenau gezeichnet hat. Er ist auch einmal wegen Sodomie angeklagt worden - das war damals Homosexualität. Die Anklage ist fallengelassen worden. Er wars vielleicht...
Anm.: Zitate über das Thema "Geschlechtsverkehr" lassen darauf schließen, dass Leonardo eher eine Sexualneurose hatte als dass er homosexuell war. Hierzu ist jedoch zu bemerken, dass die Renaissance die Zeit des Wiederbelebens der antiken Kultur war. Und im alten Griechenland wurde die Liebe zwischen Lehrer und Schüler, zwischen Mann und Knabe gepflegt. Die "Homosexualität" in der Renaissance war also ein Wiederentdecken der engen Beziehung zwischen Männern und wurde regelrecht zur Mode - obleich sie (theoretisch) mit dem Tod am Scheiterhaufen bestraft werden konnte.
Sicher: Er hat den Kontakt zu Frauen gemieden und sich dafür mit Schülern umgeben. Er hat vielleicht so seine Zärtlichkeit ausgelebt.
Er war auch sehr extrem gekleidet, sagt man?
Der Mann war auffällig in jeder Hinsicht. Er war völlig unmodisch gekleidet. Zu dieser Zeit war es modisch, lange Kleidung zu tragen. Leonardo hat knielang getragen, und zwar rosa.
Anm.: Hier entstand große Heiterkeit, was mich sehr ärgerte. Ich konnte dieses Bild aber nicht mehr zurechtrücken.
Rosa war in der Renaissance die Farbe der Adeligen. Mit der Zeit begannen auch alle anderen, die etwas auf sich
hielten, rosa zu tragen. Dass Leonardo Rosa trug, war also nicht komisch, sondern allenfalls anmaßend.
Er ist auch sonst aus der Reihe gefallen. Er war Vegetarierer, das war damals völlig ungewöhnlich,
mit Lieblingsspeise Minestrone.
Er hatte eine sehr buddhistische, holistische Weltsicht, er war Linkshänder, hat in Spiegelschrift geschrieben.
Das ist alles irgendwie schräg.